Die Bremer Henne:
Einer mündlichen Überlieferung nach geschah es im Jahre 778. Eine Gruppe vertriebener Fischer fuhr, fliehend vor Angriffen, die Weser flussabwärts. Sie spähten nach einem Zeichen am Flussrand, nach Vorzeichen für eine neue Niederkunft. Als ein Sturm hereinbrach und die Hoffnung schon erdrückt war, öffnete sich der Himmel und die Landschaft erhellte in einem wunderbaren Glanz.
In diesem Moment sahen Sie eine Henne mit Ihren kleinen Küken die am rechten Flussufer auf einer hohen Düne einen sicheren Platz gefunden hat. Die Fischer sahen dies als Zeichen und bauten hier ihre Hütten – die ersten Gebäude des späteren Bremen.
TIPP: Das Rathaus von Bremen gehört zum UNESCO Welterbe – die Henne mit ihren Küken finden Sie im zweiten Bogen der Arkaden.
Für Fischliebhaber ist der 8. Juni ein besonderer Tag – an ihm erfolgt in diesem Jahr wieder der Fassanstich zur Eröffnung der bundesweiten Matjessaison durch die Bremer Matjesgilde.
Echte holländischen Matjes werden im Frühjahr, kurz vor Beginn der Paarungssaison gefangen. In dieser Zeit verfügen die Heringe über ein hohes Fettpolster und haben daher einen besonders zarten Geschmack.
Nach dem Fang werden die Fische ausgeweidet und in einer milden Salzlake im Holzfass eingelegt. Darin reifen sie eine Woche, bevor sie per Schiff, von Holland über die Weser, zum Bremer Martinianleger verfrachtet werden.
Vom Martinianleger rollen die Mitglieder der Matjesgilde die Fässer traditionsgemäß über die Böttcherstraße, die ehemalige Straße der Fassmacher, zum Domshof.
Dort nimmt sie der Gildemeister in Empfang und prüft den Geschmack der Heringe. Mundet diesem die Fischspezialität, erklärt er die Matjessaison für eröffnet und versteigert im Anschluss das erste Fass an den Meistbietenden. Dessen Erlös kommt traditionsgemäß einer karitativen Einrichtung zugute.
Als Bremer Kaufmann wusste man wo im Schlichtungsfall das Maß aller Dinge zu finden war: Für die Lagerung und den Transport von Wein, Bier und anderen Waren gab es das Bremer Fass, welches wiederum auf den Bremer Roland zurück geht.
Zwischen den Kniespitzen des Roland, den Stadtpatron Bremens, war das Maß für die Bremer Fässer und Bottiche. Der Abstand der Kniespitzen galt als Grundmaß und lieferte die Basis bei der Orientierung von Behältern.
Dieser Abstand wurde zur „Bremer Elle“, deren Maß seit 1818 im Bremer Eichamt auf 57,87 cm fest gelegt ist.
Die Schmiede der Fässer und Bottiche befand sich in der Böttcherstraße, nicht weit vom Roland und seinen Kniespitzen entfernt. Ganz so nah zum Roland werden die Behälter heut zu Tage nicht mehr hergestellt, aber die Tradition ist in Bremen geblieben..
Tipp: Besuchen Sie doch einmal die Böttcherstraße und gucken wie viel "Bremer Ellen" es bis zum Roland entfernt ist.
Ein großes hölzernes Wrack tauchte am 9. Oktober 1962 beim Ausbaggern eines Hafenbeckens in Bremen auf. Niemals hatte man ein seltsameres Schiff gesehen. Auch die herbeigerufenen Historiker trauten ihren Augen nicht: Dies war eine Sensation – eine Hansekogge.
Mit den Maßen von über 23 m Länge und 7 Meter Breite war es im Gegensatz zu ihren älteren kleinen Schwestern ideal für den Warentransport gebaut und diente wohl nicht dem Zweck der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Hansestädten und den Piraten.
Mit einer Laderaumgröße von etwa 160 m³ konnte es alle Arten von mittelalterlichen Behältern oder 16 unserer werksneuen Rührwerksbehälter mühelos transportieren und dabei noch genügend Proviant für ausgedehnte Reisen aufnehmen. So war es das erste hochseetüchtige Handelsschiff im Norden und einer der Grundsteine der erfolgreichen Geschichte des Models „Hansestadt“.
Nach einer Restaurierungsphase von 18 Jahren ist nun die Bremer Kogge von 1380 im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven zu besichtigen.
Die Bremer Kaufleute verstanden sich von alt her auf den Handel mit Wein. Dementsprechend hat die Lagerung des Weines eine hohe Bedeutung, da der Kontakt mit den französischen Winzern immer nur saisonal ausfiel.
Seit 1330 besitzt die Stadt Bremen das Ausschank-Privileg und lagert im Bremer Ratskeller inzwischen 650 Sorten Wein. Damit verfügt der Ratskeller über das weltweit größte Sortiment ausschließlich deutscher Weine.
Da diese edle Tropfen wohltemperiert und haltbar gemacht werden mussten, übernahm man die Eichenfässer der französischen Winzer zur Lagerung in den Gewölben des Ratskeller. Mit einem Fassvolumen von 225 Liter blieb genug Platz in den knapp 5.000 m2 großen Kellerfläche, um die Weine über Jahrzehnte zu lagern.
Das diese lange Lagerung der Weine noch einen weiteren Effekt, nämlich den geschmacklichen Ausbau zur Folge hatte, war ein zufälliger und genüsslicher Nebeneffekt für die Bremer Kaufleute.
Die französischen Winzer, die in den darauf folgenden Jahren wieder Ihre Weine probierten, erkannten ihre eigenen Produkte nicht mehr wieder. So gut war der Wein inzwischen veredelt.
Dieser Reifeprozess des Weines ist als „Barriquisieren“ übernommen und inzwischen wieder weltweit in Mode gekommen. Neben weiteren Hansestädten wie Lübeck und Hamburg wird Bremen als historischer Fall erwähnt.
Bremer Produkte und der Transport haben eine lange Tradition, speziell die Schifffahrt.
Der Norddeutsche Lloyd (NDL) ist eine Bremer Erfolgsgeschichte, die mit ihren Dampfschiffen und dem Überseeverkehr Weltruhm erlangte. Gerade die Emigrationspolitik und Auswanderwelle im 19. Jhd in Europa war Ausgangspunkt der Route Bremerhaven – New York.
Die Gründung der Lloyd geht auf die Bremer Kaufleute H.H. Meyer, E. Crüseman und G. Kulenkampf zurück, die im Jahr 1857 ihr erstes Kontor in der Martinistraße 13 eröffneten. Sie investierten nicht nur in den Schiffverkehr, sondern bauten auch ihr eigenes Schienennetz, die Geestebahn.
Zusätzlich zur Emigrationswelle, öffnete der NDL ab der Gründung des Dt. Reiches auch den Handelsverkehr nach Westindien und die Ostküste Südamerikas. Dabei setzte der Lloyd von Anfang an auf die Dampfschifffahrt. Bereits 1885 erhielt die Bremer Reederei den Zuschlag für die „Reichspostdampferlinie“ nach Australien und Ozeanien. Schnell wurde die Norddeutsche Lloyd zum Superlativ: 1890 zweit größte Reederei der Welt mit 66 Schiffen.
Nach beiden Weltkriegen musste der Lloyd praktisch bei Null anfangen, was ihm mit Innovation gelang. Nach dem 1. Weltkrieg gründete der NDL eine eigene Luftflotte, die dann 1926 durch die Allianz mit Hapag, Lloyd und Junkers zur Gründung der „Dt. Luft Hansa A.G.“ – heute Lufthansa – führte.
Auch nach dem 2. Weltkrieg stand man wieder am Anfang. Mit 350 Angestellten gründete der Lloyd zusammen mit der Hapag 1948 das erste Reisebüro. Anfang der 70er Jahre fusionierte der Bremer Lloyd mit dem Hamburger Unternehmen Hapag.
Was viele Spaziergänger am Weserufer für eine mittelalterliche Festung halten, wurde in der Vergangenheit für ein umgedrehtes Möbelstück auf vier Füßen gedeutet. Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht leugnen, aber statt Kleidung beinhaltete das Bauwerk bis zu 2 Millionen Liter Wasser.
Zwischen 1871 und 1873 gebaut, sollte der Wasserturm der Stadt Bremen als neue und hygienische Trinkwasserversorgung dienen. Es dauerte aber über 30 Jahre bis die letzten Haushalte in Bremen 1908 an die Kommode angeschlossen waren.
Mit einer Höhe von 47 Metern bot der Wasserturm Platz für zwei Tanks (23 x 13 x 3,5 m). Das durch Sandfilter gereinigte Weserwasser wurde über Dampfmaschinen in die Behälter gepumpt und der anfallende Dampf über zwei der vier Türme ins Freie abgeleitet. Ein weiterer Turm beherbergte die Rohrleitungen und der vierte diente als Aufgang.
Ab 1983 war dann Schicht im Schacht und die Trinkwasserversorgung Bremens von den Hartzwasserwerke übernommen. Einige Zeit nutzte die Firma Becks das Gebäude noch als Wasserreservoir für Ihre Brauerei, doch seit Anfang dieses Jahrtausend ist das Gebäude kernsaniert und die Tanks verschwunden.
Die ehrgeizigen Pläne Bremer Baugesellschaften sehen die "Umgedrehte Kommode" gerne als zentrales Gebäude für ihr neues Stadtviertelprojekt im Vorderen Stadtwerder. Der denkmalgeschützte Turm und seine angrenzenden Gebäude sollen Platz für Konzerte, Gastronomie und Büroeinheiten bieten.
Aber nachdem die Kommode noch eine Plattform samt Glasdach und äußere Fahrstühle für ein Restaurant erhalten sollte, wurden alle Pläne zur Bebauung des Wasserturms von der Denkmalschutz-Behörde auf Eis gelegt. Die Karten werden also neu gemischt und die Zukunft eines der größten Behälter Bremens steht weiter offen.